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Regionen voller Energie- kWh als Währungseinheit!

Ein Modellprojekt im Rahmen eines online basierten Wissensmanagementsystems

Kay Voßhenrich und Rüdiger Kutz

Die Idee einer mit Energien gedeckten Währung ist nicht neu. Die ersten Gelder der Antike entsprachen einer Art „solare Biomasse- Währungen“. Schekel-Münzen im alten Babylon dienten dem Bezug von Getreide aus Kornspeichern.

In diesem Workshop soll der Frage nachgegangen werden, in welcher Form ein mit Energie gedecktes Geld auch in unserer heutigen Zeit realisierbar ist. Technische und rechtliche Innovationen bieten dabei ganz neue Möglichkeiten zur Gestaltung einer solchen Währung. Im Anschluss an den Workshop soll die weitere Entwicklung von Energiegeldmodellen in ein internetbasiertes Wissensmanagementsystem unter Leitung von Rüdiger Kutz eingebunden werden. Auch über den Workshop hinausgehend besteht für die Teilnehmer die Möglichkeit, an dieser Wissens- und Lernplattform zu partizipieren.

Der Kerngedanke von kWh-Währungen ist die Schaffung eines neuen und transparenteren Wertmaßstabes. Die Art und Weise des Wirtschaftens wird durch das ökonomische Axiom „Geld“ programmiert. Die Grundwerte der globalisierten Wirtschaft sind eng verbunden mit der Entstehung von Dollar, Euro, Pfund und Yen, die gleichermaßen über Kreditgeldschöpfung die Maßgabe Wachstum und Maximierung von Renditen vorgeben. Sie nehmen keine Rücksicht auf die Endlichkeit von Ressourcen oder auf regionale Besonderheiten. Anders eine kWh-Währung auf Basis erneuerbarer Energie. Sie ist nicht nur wert- und kaufkraftstabil, sondern bietet ein den Strukturen erneuerbarer Energien entsprechendes Wertmedium, gleichsam die Basis einer nachhaltigen Regionalentwicklung. Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden, globalen Ressourcenverknappung, moderner energietechnischer Innovationen und der in den letzten Jahren zunehmend entstehenden komplementären Gelder und Regionalwährungen ist es daher längst an der Zeit, Energiewährungen wieder in die Diskussion zu bringen.

In dem Workshop soll anhand verschiedener theoretischer Modelle erörtert werden, wie die Realisierung einer kWh- Währung aussehen kann. Hierzu sollen aus bereits vorhandenen Puzzelteilen wie Bürgerbeteiligungsgesellschaften, Energiezertifikaten oder digitalisierten Stromzählern und Kartensystemen neue Modelle entstehen, die diskutiert und durch die Ideen der Teilnehmer ergänzt werden. Der Workshop dient als Kreativwerkstatt voller Energie.

Im Anschluss an den Kongress wird der Gedanke der kWh-Währung anhand konkreter Modelle und Szenarien unter Zuhilfenahme eines online basierten Wissensmanagementsystems weiterentwickelt. Einzelne Regiogeld-Projekte setzen Meilensteine in einem sowohl gesellschaftlichen als auch individuellen Lernprozess. Ein solcher Prozess Praxis integrierten Lernens, schärft die Wahrnehmung für das eigene Können, für das Erreichte und für das zu Erreichende. Insbesondere die äußerst anspruchsvolle, leistungsgedeckte Form von Regionalwährungen schafft im Feld der Energiewirtschaft einen verheißungsvollen Blick in eine Zukunft mit mehr Autarkie und Autonomie der Regionen. Hier gilt es, schrittweise funktionsfähige Szenarien spielerisch und theoretisch zu entwickeln und zugleich in Modellfällen praktisch zu erproben. Dies geschieht am besten im Lernkreislauf von Kreativwerkstatt, Projektmanagement und Fallpraxis.

Ein Teil des Workshops ist die Vorstellung der Instrumente der Online-Wissensplattform, die helfen soll, den Prozess des gemeinsamen Lernens effektiver zu gestalten. Diese Instrumente sind der eigentliche Gegenstand einer kommunikativen Innovation, die sich hoffentlich als Treibsatz für die Entwicklung einer übertragbaren Modellpraxis zwischen der Theorie von kWh-Währungen und regionalen Wirtschaftsakteuren und Bürgern entpuppen wird. Zugleich möchten die Referenten zur Mitwirkung motivieren und aktivieren.


Rüdiger Kutz, 48, arbeitet nach einer langjährigen Tätigkeit als Gründer und Leiter eines Hamburger Medienunternehmens gegenwärtig als Wissenschaftler, Unternehmensberater und ist Gründer von büro .m , ein Netzwerk freier Journalisten, Redakteure, Fotografen und PR-Berater. Er widmet sich nunmehr einer bildungstheoretischen Forschungsarbeit, die sich mit der Selbstorganisation von Wissens- und Lernprozessen in gesellschaftlichen Innovationen beschäftigt. Rüdiger Kutz will mit einer den Regiogeld-Initiativen begleitenden Aktionsforschung praxisrelevante Formen des Wissensmanagements, der Bildungsarbeit und der Qualifikation erarbeiten.

Kay Voßhenrich, Jahrgang 1974, studierte Architektur an der BUGH Wuppertal und arbeitete zwei Jahre als Architekt im Büro Schneider-Wessling in Köln. Zwischen 10/2002 und 01/2005 absolvierte er seinen Master (MSc) im postgradualen Studiengang "Europäische Urbanistik" an der Fakultät Architektur der Bauhaus-Universität Weimar. In seiner Masterarbeit zum Thema "Chancen solarer Stadtkulturen im Kontext der Dominanz fossiler Gesellschaften" setzte er sich mit dem Strukturdefizit zwischen zentralistischer Stadtorganisation und der Dezentralität erneuerbarer Energien auseinander. Er ist Mitbegrüner des REGIOprojekt e.V. in Weimar.

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